… so als sei nichts geschehen

Gedanken zum Wochenspruch für den Sonntag Okuli

„Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ (Lukas 9,56)

Foto: Ralf Roletschek / roletschek.at

Vor fast neunzig Jahren, kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, hat der bekannte Theologe Karl Barth, der die Gefahren und Drohungen seiner Zeit so früh und so deutlich erkannte wie sonst nur wenige, die Frage nach der Verantwortung der Christen für die Welt mit einem berühmt gewordenen Satz beantwortet. Er schrieb damals, gerade in dieser bedrohlichen Zeit sei es nötig, dass man Theologie und nochmals Theologie treibe, so als sei nichts geschehen. So als sei nichts geschehen! Aber: Können denn Christen wirklich immer nur so tun, als sei nichts geschehen? Können Christen angesichts dessen, was um sie herum in der Welt geschieht, wirklich ruhig bleiben?

Karl Barth selbst würde diese Frage sicherlich mit Nein beantwortet haben. Er selbst hat sich ja durchaus eingemischt, besonders auch in politische Fragen. Aber gerade in seiner Verantwortung für die Welt, wusste Barth, dass er Theologie zu treiben habe, als ob nichts geschehen sei, dass er sich in den entscheidenden, den wirklich entscheidenden Fragen des Lebens nichts vom Weltgeschehen beirren lassen durfte.

Für Barth war das entscheidend, was sich im Wochenpsalm des Sonntags Okuli ausspricht: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“ Gott gibt uns die Richtung unseres Handelns vor, und mit Blick auf Gott sind unsere Handlungen und Überlegungen immer wieder neu zu prüfen und auszurichten. Unser Glaube soll nicht davon bestimmt sein, wie die Welt an uns herantritt, sondern unser Herantreten an die Welt soll von unserem Glauben an Gott bestimmt sein. Denn allein Gott ist Herr der Welt. Sein Wille ist es, der zu geschehen hat und an dem sich all unser Weltgeschehen zu messen hat.

Dieser Beitrag wurde am von unter An[ge]dacht veröffentlicht.

Über Christian Justen

Geboren 1970 in Traben-Trarbach. Aufgewachsen in Irmenach (Hunsrück). Studium in Wuppertal und Bonn. Vikariat in Mülheim an der Ruhr. Probedienst in der Eifel, an der Mosel und auf dem Hunsrück. 2006 bis 2014 Pfarrer in Birkenfeld (Nahe). Seit 2014 Pfarrer in Übach-Palenberg.

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