„Freue dich!“

Gedanken zum Sonntag Lätare

Andacht

Foto: Capri23auto / pixabay.de

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln! Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen. Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion. (Psalm 84,6-8)

Dass es einen Rosenmontag gibt, das wissen viele – jedenfalls bei uns im Rheinland. Was hingegen nur wenige wissen: Es gibt auch einen Rosensonntag. Der hat mit Karneval aber erst einmal wenig zu tun. Es ist der vierte Sonntag der Passionszeit, der Sonntag, welcher den lateinischen Namen „Lätare“ trägt: „Freue dich“. Ein merkwürdiger Name für einen Sonntag der Passionszeit, denn eigentlich denken wir ja immer: Passionszeit, das ist nur eine triste, eine traurige Zeit. Aber an diesem Sonntag stehen in unseren Gottesdiensten stets Bibeltexte im Mittelpunkt, die mitten in der Passionszeit schon auf das verweisen, was nach der Katastrophe des Karfreitags kommt: auf die Auferstehung Jesu, auf das Osterfest. Daher rührt auch der Name „Rosensonntag“. Denn man sagt, am Sonntag Lätare mischt sich das Violett der Passionszeit mit dem Weiß der Osterzeit, und daraus entsteht die Farbe Rosa. In manchen Gemeinden ist es sogar üblich, dass am Sonntag Lätare rosafarbene Paramente (die Stofftücher am Abendmahlstisch und an der Kanzel) genutzt werden. In Übach-Palenberg gibt es die zwar nicht, aber dafür stehen am Rosensonntag bei uns meist Rosen auf dem Abendmahlstisch.

Die Verse aus Psalm 84 machen auf ihre Weise deutlich, was den Sonntag Lätare prägt. Geschildert wird die Situation von Menschen, die – bildlich gesprochen – durch ein dürres Tal ziehen. Für uns Heutigen in unserem Land ist das Bild nicht ganz so eingängig, denn: Wo gibt es bei uns schon wirklich „dürre Täler“? Im heißen Klima Palästinas meint ein „dürres Tal“ etwas Lebensbedrohliches: In einem dürren Tal gibt es kein Wasser und kaum Schatten. In einem dürren Tal ist jedes Leben bedroht, weil es darin – jedenfalls für Menschen – keine Chance zum Überleben gibt. Wer aber zu alttestamentlicher Zeit in Palästina von einem Ort zum andern gelangen wollte, der hatte oft keine Wahl, der hatte meist auf die ein oder andere Weise durch ein solch dürres Tal zu ziehen – immer in der Hoffnung, dass die Vorräte reichen, dass das Wasser nicht zur Neige geht, dass die Kräfte nicht schwinden, bis man den Ausgang des Tales erreicht hat.

Doch wie gesagt, der Psalmist verwendet hier ein Bild. Ihm geht es ja eigentlich um die „dürren Täler“, die ein Menschleben zu durchwandern hat, es geht ihm um die Situationen, in denen das Leben an den Rand des Abgrundes gerät, um die Zeiten, in denen plötzlich alles im Leben brüchig und unzuverlässig zu werden scheint. Es geht ihm um die Krisenzeiten, die ein jeder Mensch zu bewältigen hat. Eine solche Krisenzeit erleben wir ja momentan alle miteinander, aber auch jenseits der Corona-Krise gibt es in einem jeden Menschenleben mehr als genügend andere Krisen, die zum Teil noch weit bedrohlicher sind als dieses neue Virus.

In einer solche Krisenzeit lebte wohl auch der Beter von Psalm 84, auch sein Leben war in einer Notsituation, auch er befand sich in einem dürren Tal. Was es ihm aber ermöglicht, seinen Weg weiterzugehen und niemals die Hoffnung zu verlieren: Er weiß, dass es kein einziges dürres Tal gibt, in dem Gott nicht an seiner Seite mit ihm mitginge. Er weiß, dass selbst dann, wenn er keinen Ausweg erkennen kann, Gott um einen Ausweg weiß. Und weil Gott sein Wegbegleiter ist, weil Gott ihn an der Hand nimmt und auf seinem Weg führt, darum kann er auch mitten in der Not froh und voller Zuversicht sein.

Das ist auch die Botschaft des Sonntags Lätare, der uns mit Blick auf die Auferstehung Christi zuruft: Freue dich! Freue dich, selbst dann, wenn es dir nicht gut geht. Freude dich, auch dann, wenn du zu leiden hast und die Sorgen übermächtig zu werden scheinen. Freue dich – denn am Ende, da wird ganz gewiss alles, alles gut werden. Amen.

Liedverse

In dir ist Freude in allem Leide, / o du süßer Jesu Christ! / Durch dich wir haben himmlische Gaben, / du der wahre Heiland bist; / hilfest von Schanden, rettest von Banden. / Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, / wird ewig bleiben. Halleluja. / Zu deiner Güte steht unser G’müte, / an dir wir kleben im Tod und Leben; / nichts kann uns scheiden. Halleluja.

Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden / Teufel, Welt, Sünd oder Tod; / du hast’s in Händen, kannst alles wenden, / wie nur heißen mag die Not. / Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren / mit hellem Schalle, freuen uns alle / zu dieser Stunde. Halleluja. / Wir jubilieren und triumphieren, / lieben und loben dein Macht dort droben / mit Herz und Munde. Halleluja. (EG 398)

Gebet

Vater im Himmel, es fällt uns so oft schwer, dich zu loben, weil uns unsere Sorgen und Nöte gefangen halten, weil wir den Mut und die Hoffnung verlieren, weil wir keinen guten Ausweg erkennen können. Darum bitten wir dich: Schenke uns immer wieder neu Zuversicht. Hilf uns, deine liebende Gegenwart zu erkennen. Gib uns immer wieder neue Hoffnung. Und sende uns immer wieder Zeichen, die uns gewiss machen: Du bist da, du bist bei uns. Wir wollen so gerne auf dich vertrauen und uns von dir leiten lassen. Hilf du uns dazu. Amen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und dir Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

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