„Jemandem etwas Gutes tun“

Andacht zu Markus 14,3-9

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Liebe Gemeinde,
wenn jemand jemandem etwas Gutes tut, dann ist das schön. Das tut gut, das wissen die meisten von uns aus eigener Erfahrung. Und das muss gar nichts Großes und Spektakuläres sein. Da reicht schon ein Lächeln an einem verregneten Tag oder ein freundliches „Hallo“ morgens beim Brötchenholen. Beides kostet nicht einmal Geld. Die Steigerung wäre ein Strauß Blumen, ein Brief oder eine Einladung zum Kaffeetrinken. Das kostet dann natürlich schon ein wenig Geld, schafft aber ebenfalls Freude und auch Nähe. In diesen Zeiten sollten wir zumindest auf körperliche Nähe allerdings verzichten. Ein Telefonat oder ein Angebot zum Einkaufen für die ältere Dame gleich nebenan oder den älteren Herrn im selben Haus, das ältere Ehepaar gleich gegenüber – all das sind Wohltaten, die gut tun. Oder das Bild, das die Fünfjährige gemalt hat, einfach unter der Tür durchgeschoben, zaubert ein Lächeln hervor. Wir können gar nicht kreativ genug sein, um anderen etwas Gutes zu tun. Eigentlich sind uns da keine Grenzen gesetzt (na ja, Sie wissen schon: Die körperliche Nähe ist zur Zeit die einzige Grenze). Und die Erfahrung lehrt uns auch: Wenn ich jemandem etwas Gutes tue, tue ich mir ebenfalls etwas Gutes, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.

Wie also mag es der Frau da vor knapp 2000 Jahren ergangen sein, die Jesus mit dem kostbaren Öl gesalbt hat? Jesus zumindest hat es gut getan, denn er weist seine Jünger, die sich über diese Geldverschwendung ziemlich aufregen, zurück. Die Unbekannte wird über diese Reaktion gewiss hocherfreut gewesen sein. Denn erstens hat Jesus sie nicht des Hauses und der Männerrunde verwiesen, und zweitens hat er ihre Tat ausdrücklich gelobt.

Beim Evangelisten Markus hört sich das Ganze so an:

Und als er (Jesus) in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat ge tan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Kurz vor dem Passafest tut diese unbekannte Frau dem Sohn Gottes etwas Gutes, das keinen Aufschub duldet, denn nur drei Tage später stirbt Jesus am Kreuz. Niemand anders hat daran gedacht, selbst seine engsten Freunde nicht, denen er seinen nahen Tod nicht verschwiegen hatte. Jemandem anderen etwas Gutes tun – warten wir also nicht damit, bis es zu spät ist. Es muss nicht gleich ein kostbares Öl sein – auch ein Lächeln kann kostbarer sein als alles Geld der Welt. Wir merken es gerade in diesen anstrengenden Zeiten. Amen.

Liedverse

Danke für meine Arbeitsstelle, / danke für jedes kleine
Glück. / Danke für alles Frohe, Helle / und für die Musik.

Danke für manche Traurigkeiten, / danke für jedes gute Wort. / Danke,
dass deine Hand mich leiten / will an jedem Ort.
(EG 334,3+4)

Gebet

Guter Gott, anderen einfach und ohne Grund etwas Gutes tun – das fällt uns oft schwer. Oft denken wir an eine mögliche Gegenleistung oder daran, was es uns kostet. Einfach etwas Gutes tun liegt so nahe und ist ganz einfach.

Darum danken wir denen, die helfen in Krankenhäusern, bei den Pflege- und Rettungsdiensten, mit einem Applaus. Darum danken wir denen, die uns die Lebensmittel unermüdlich in die Regale packen, an den Kassen sitzen oder hinter den Theken stehen, mit einem Lächeln. Darum halten wir Abstand und schicken Nachrichten per Post, Telefon oder Internet.

Gott, auch dich können wir nicht sehen und wissen doch, dass du da bist, uns begleitest und hältst. Dafür danken wir dir aus tiefstem Herzen.

Bewahre uns und alle, die uns wichtig sind, in der Nähe und in der Ferne. Sei du denen besonders nahe, die niemanden haben aber auch denen, die wir so gerne vergessen: den Fremden, den Flüchtlinge, den Weggesperrten.

Hab Dank für alle, die irgendwo irgendwem etwas Gutes tun, einfach nur so, weil sie wissen, wie gut es tut. Amen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und dir Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Angelika Krakau

Dieser Beitrag wurde am von unter An[ge]dacht veröffentlicht.

Über Christian Justen

Geboren 1970 in Traben-Trarbach. Aufgewachsen in Irmenach (Hunsrück). Studium in Wuppertal und Bonn. Vikariat in Mülheim an der Ruhr. Probedienst in der Eifel, an der Mosel und auf dem Hunsrück. 2006 bis 2014 Pfarrer in Birkenfeld (Nahe). Seit 2014 Pfarrer in Übach-Palenberg.

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