„Jesus lebt!“ – Andacht zum Osterfest

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Andacht

Liebe Gemeinde,

gerade die Nachricht von Tode eines guten Freundes erhalten habend oder am Bett eines sterbenden Angehörigen sitzend, verliert die Sonne ihren Glanz, und die eigene Welt verdunkelt sich. Die bevorstehende Beerdigung und der damit verbundene Gang zum Grab lassen die Beine schwer wie Blei werden. Der Gedanke „Nur weg, und das so weit wie möglich!“ nimmt Besitz von unseren Gedanken. Gleichzeitig aber ruft die andere Stimme in uns: „Sei stark, du musst das durchhalten, du hast es versprochen!“

Das wird auch Maria Magdalena, Salome und Maria, der Mutter des Jakobus, durch den Kopf gegangen sein, als sie sich am frühen Morgen bei Tagesanbruch auf den Weg zum Grab Jesu gemacht haben. Sie wollten das tun, was sie wegen des bevorstehenden Sabbats vor der Grablegung ihres guten Freundes nicht tun konnten: ihn nach jüdischem Ritus salben. Dem Toten also eine letzte Ehre erweisen, wie es zur damaligen Zeit üblich war. Und darum machen sie sich nun auf, mit gesenktem Kopf, ganz in Gedanken an das furchtbare und entsetzliche Geschehen versunken. Sie hören das Vogelgezwitscher nicht, merken nicht, wie die Sonne sich langsam am Horizont heraufschiebt, das Dunkel der Nacht verschwindet. Vielmehr denken sie daran, wie sie den großen schweren Stein ohne Hilfe von dem Grab wegbewegen können, um den toten Jesus zu salben.

Und dann das Unfassbare … Nicht nur, dass der Stein vor dem Grab weggerollt war! Nein, der Leichnam Jesu war weg! Nur ein junger Mann im weißen Gewand – ein Engel?! – saß da, als hätte er nur auf die Frauen gewartet, um ihnen mitzuteilen, dass Jesus aufer standen ist von den Toten.

In einer solchen Situation der Trauer und Verzweiflung rechnen auch wir nicht mit einem Wunder, mit dem Unfassbaren und Unbegreiflichen. Wie die Frauen damals könnten auch wir es weder mit Händen noch mit unserem Verstand fassen, was da geschehen war. Und doch glauben wir Christen fest daran, denn sonst wären wir ohne Hoffnung für unsere Toten, unsere Sterbenden und letztendlich auch für uns.

JESUS LEBT! Er ist von den Toten auferstanden! Das ist die frohmachende und unbegreifliche Botschaft von Ostern. Sie dürfen wir laut in diese durch Umweltverschmutzung und Missbrauch, durch Krankheiten (auch Corona) und Kriege gebeutelte Welt rufen: „Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Im 1. Korintherbrief, Kapitel 15, dem Predigttext für Ostersonntag, schreibt Paulus: „Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen, der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung von den Toten.“ (Verse 20f).

Wenn sich auch auf dem Weg zum Grab hin die Sonne verdunkelt, wird sie auf dem Weg zurück immer ein wenig heller scheinen, denn „hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen“ (Vers 19).

Es wird wieder hell, Jesus lebt! Lassen Sie uns in dieser Zuversicht Ostern feiern und laut in den Osterjubel einstimmen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ Amen.

Liedverse

Morgenlicht leuchtet, / rein wie am Anfang. / Frühlied der
Amsel, / Schöpferlob klingt. / Dank für die Lieder, / Dank für den
Morgen, / Dank für das Wort, dem beides entspringt.

Mein ist die Sonne, / mein ist der Morgen, / Glanz, der zu mir aus Eden
aufbricht! / Dank überschwänglich, Dank Gott am
Morgen! / Wiedererschaffen grüßt uns sein Licht.

(EG 455,1+3)

Gebet

Herr, unser Gott, es ist Ostern, anders als sonst, denn unsere Kirchen sind geschlossen. Aber das hindert uns nicht, die Auferstehung deines Sohnes Jesus Christus zu feiern. Er ist auferstanden von den Toten. Sein Grab war leer, als die Frauen dorthin kamen.“Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“, wurden sie gefragt. Ihr Glaube war ebenso klein, wie es der unsrige ist.

Aber wir wollen glauben; glauben, dass Jesus lebt, dass er den Tod besiegt hat, ein für alle Mal – auch für uns.

Wir danken dir, dass du das möglich gemacht hast, und bitten dich: Stärke uns in unserem Glauben an dich. Gib uns die Kraft, in deinem Namen Gutes zu tun. Stärke all diejenigen, die sich gegen Terror und Krieg, Missbrauch und Gewalt, Unterdrückung und rechtes Gedankengut einsetzen.

Gib all denen genug Kraft, die sich unermüdlich im Kampf gegen das Coronavirus einsetzen, und gib denen Verstand und Solidarität, die mit Hamsterkäufen und Partys im Freien nur an sich denken und so Humanität und Solidarität mit Füßen treten.

Danke, dass du hast Ostern werden lassen für uns alle. Amen.

Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und dir Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Dieser Beitrag wurde am von unter Allgemein veröffentlicht.

Über Christian Justen

Geboren 1970 in Traben-Trarbach. Aufgewachsen in Irmenach (Hunsrück). Studium in Wuppertal und Bonn. Vikariat in Mülheim an der Ruhr. Probedienst in der Eifel, an der Mosel und auf dem Hunsrück. 2006 bis 2014 Pfarrer in Birkenfeld (Nahe). Seit 2014 Pfarrer in Übach-Palenberg.

Ein Gedanke zu „„Jesus lebt!“ – Andacht zum Osterfest

  1. Renate Rothkamm

    Ich habe den Gottesdienst heute zu Hause gehalten, mir den Text der Predigt angesehen, das Vaterunser gebetet und dabei an die vielen Menschen gedacht, die jetzt allein ohne Angehörige leben müssen. Ich bin dankbar dafür, dass ich liebe Menschen um mich habe. Danke, dass es mir und meiner Familie noch gut geht.D Danke, dass auch unsere Pfarrer an uns denken und uns ermutigen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Danke!

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